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Anbaubalkone aus Stahl

29. Oktober 2013

Balkone ästhetisch integriert

Um die Qualität von Altbauten zu steigern, werden bei der Modernisierung häufig Balkone ergänzt. Gelungene Beispiele zeigen, dass moderne Stahlbalkone mühelos auch ohne vorgestellte Stützen auskommen – was für das Gebäude immer ein ästhetischer Gewinn ist.

Ein Balkon trägt wesentlich zur Attraktivität einer Geschosswohnung bei – und beeinflusst damit maßgeblich den Wert der gesamten Immobilie. Sollen ältere Gebäude saniert werden, steht die Anbringung zusätzlicher Balkone ganz oben auf der Wunschliste von Bauherrn. Als Lösung mit dem geringsten statischen Aufwand fällt häufig die Wahl auf Systeme, bei denen die Balkone auf vorgestellten Stützen mit eigenen Fundamenten ruhen. Aber nachträglich vorgestellte Balkone sind gestalterisch meist nur die zweitbeste Lösung. Die vor die Fassade gestellten Stützen wirken als Fremdkörper und sind oft hinderlich bei Durchfahrten und Terrassennutzung. Einige Architekten haben in jüngster Zeit Lösungen für stützenfreie Anbaubalkone entwickelt, die nicht nur ausgezeichnet mit der bestehenden Architektur harmonieren, sondern auch ohne aufwändige statische Ertüchtigung des Gebäudes auskommen.

Balkone an historischen Bauten

Der Architekt Georg Graetz von Graetz Architekten aus Berlin baute die alten Backsteingebäude des historischen Klinik-Campus Am Urban in Berlin-Kreuzberg zu zeitgemäßen Stadtwohnungen um. Vorgestellte Stützenreihen kamen bei dem mehr als 100 Jahre alten Ensemble schon aus denkmalpflegerischen Gründen nicht in Frage. So entwickelte Graetz einen Balkontyp aus Stahl, der 1,20 Meter tief und je nach Bedarf 3 oder 6 Meter breit ist. Mit ihrer schlichten und geometrischen Formgebung fügen sich die Balkone hervorragend in die nüchterne Backsteinarchitektur der alten Klinik ein. Die von einer Schlosserei gefertigten Balkone sind in der Gebäudefassade mit speziell für diesen Anwendungsfall entwickelten Verankerungen befestigt. Dazu wurden dem Mauerwerk zunächst Bohrkerne entnommen. In diese Öffnungen fügte man Verankerungselemente, die horizontal rückwärtig in der Deckenkonstruktion des Gebäudes verankert wurden und in der äußeren Fassadenebene Kopfplatten zur Aufnahme des Balkons besitzen. Die in den Verankerungselementen liegenden Dämmkörper gewährleisten eine wärmebrückenfreie Konstruktion. Mit speziellem Vergussmörtel wurden die Öffnungen kraftschlüssig geschlossen. An die Kopfplatten wurden die auskragenden Stahlträger, die den Balkon letztendlich tragen, angeschraubt. Die Geländerpfosten bestehen aus 30 Millimeter breiten Quadrathohlprofilen, die Ausfachung aus 15 Millimeter dicken Stäben.

Stahl und Holz im Einklang

Ebenfalls mit der Sanierung eines gründerzeitlichen Mietshauses war das Büro Leibenatus Stockburger Wittayer Architekten Ingenieure aus Berlin beauftragt. Mitinhaber und Projektleiter Volker Wittayer entwarf die neuen Balkone an der Hofseite in einer Stahl-Holz-Konstruktion: Planken bzw. Leisten aus unbehandeltem Lärchenholz wurden für Boden und Brüstung der Balkone eingesetzt, das konstruktive Tragsystem besteht aus verzinkten Stahlprofilen. Die Basis bilden dabei Rahmen aus verzinktem Profilstahl. Die 120 Millimeter hohen Lasteinleitungsträger, die die Balkone tragen, wurden 30 Zentimeter tief in das vorhandene Mauerwerk der Außenwand eingemörtelt. Die Auflageröffnungen erhielten eine innenseitige Dämmplatte zur thermischen Trennung sowie Lastverteilerplatten aus Stahl zur Aufnahme der Einspannmomente. Alle Profile des Grundrahmens wurden untereinander auf der Baustelle verschraubt und an der Unterseite mit Zugbändern diagonal ausgesteift. Der selbsttragende Bodenbelag aus 44 Millimeter dickem Lärchenholz kommt ohne Zwischenunterstützung aus. Dadurch konnte das Gewicht erheblich reduziert werden. Sowohl rechteckige als auch in die Gebäudeecken eingepasste dreieckige Balkone aus Stahl und Holz prägen die neu gestaltete Fassade des modernisierten Wohnquartiers.

Fassadenbündige Stützen

Eine interessante Kombination aus Anbau- und Vorstellbalkon realisierte das Büro Hild und K Architekten aus München, nachdem es den Auftrag für die Sanierung eines um das Jahr 1880 erbauten Wohnhauses in der Münchener Reichenbachstraße erhalten hatte. Die Architekten entwarfen sowohl in der horizontalen als auch vertikalen Ebene wellenförmig anmutende Balkone. Je nach Etage sind die Wellen unterschiedlich breit und zudem gegeneinander versetzt – wodurch eine höchst lebendige Fassade entsteht. Als reine Anbau-Balkone wäre die bis zu 1,70 Meter auskragende Konstruktion ohne aufwändige statische Maßnahmen im Baubestand nicht realisierbar gewesen. Daher wählte man direkt vor die Fassade gesetzte vertikale Stützen, die punktuell in der Hauswand rückverankert sind und die Aufnahme der hohen Anschlusslasten gewährleisten. Im Blickfeld des Betrachters steht die Gesamtkonstruktion der Balkonanlage mit den harmonisch geschwungenen Geländern aus dunkel beschichteten Flachstäben. Vorgesetze Stützen hätten hier das Bild erheblich getrübt.

Moderne, individuell angefertigte Anbaubalkone aus Stahl steigern den Wert von Wohnimmobilien und sind dank neuer Verbindungstechniken auch bei schwieriger Bausubstanz sicher, energieeffizient und preiswert auszuführen. Weitere Anwendungsbeispiele für Balkone aus Stahl sind in der Dokumentation 578 des Stahl-Informations-Zentrums zusammengefasst.

Rückfragen

Dipl.-Ing. Hans Allkämper
Telefon: + 49 211 6707-844
E-Mail: hans.allkaemper@stahl-zentrum.de