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Dipl.-Volksw.
Roderik Hömann

Leiter
Energie und Klima

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Fax: +49 (0) 30-23 25 546-90
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Statements

„Stahl ist ein unverzichtbarer Werkstoff für die Industrie. Die Verbesserung der Energieffizienz ist nur mit Stahl möglich. Durch Stahl wird mehr als sechsmal soviel CO2 eingespart, wie bei dessen Produktion augestossen wird.“

Dr. Heinrich Hiesinger,
Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG

Hintergrundmaterial

Klimaschutz mit Stahl - Politische Positionen und Beitrag der Stahlindustrie in Deutschland
(Mai 2015)

"Mehr Realismus notwendig" - Beitrag zum Europäischen Emissionsrechtehandel im Magazin "Perspektiven mit Stahl"
(November 2014)

"Das Ganze im Blick behalten" - Beitrag zur Vereinbarkeit von Effizienz-, Energie- und Klimazielen im Magazin "Perspektiven mit Stahl" (November 2014)

„Energieverbrauch und CO2-Emissionen industrieller Prozesstechnologien - Einsparpotenziale, Hemmnisse und Instrumente“ (Stellungnahme zur Studie des Fraunhofer Instituts)

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Emissionshandel

Anreize setzen, fairen Wettbewerb ermöglichen

Die Reform des Emissionsrechtehandels muss sinnvolle Anreize zur Emissionsminderung setzen, darf aber die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Grundstoffindustrien nicht gefährden.

Die Stahlindustrie hat ihre CO2-Emissionen seit 1990 bereits um 19 Prozent gemindert und besitzt bei bestehenden Technologien keine bedeutenden Senkungspotenziale mehr. Eine Eins-zu-Eins Realisierung der politischen Ziele ist in der Stahlindustrie nicht möglich. (Quelle: Stahlinstitut VDEh)

Die Stahlindustrie hat ihre CO2-Emissionen seit 1990 bereits um 19 Prozent gemindert und besitzt bei bestehenden Technologien keine bedeutenden Senkungspotenziale mehr. Eine Eins-zu-Eins Realisierung der politischen Ziele ist in der Stahlindustrie nicht möglich.
(Quelle: Stahlinstitut VDEh)

Die Stahlindustrie hat ihre CO2-Emissionen seit 1990 bereits um 19 Prozent gemindert und besitzt bei den bestehenden Technologien keine bedeutenden Senkungspotenziale mehr. Eine Eins-zu-Eins Realisierung der politischen Ziele ist in der Stahlindustrie nicht möglich.

Die Europäische Union strebt an, ihre CO2-Emissionen bis 2030 auf Basis von 1990 um 40 Prozent zu senken. Sie hat sich für ein Emissionshandelssystem mit Zertifikaten als marktwirtschaftliches Instrument zur Erreichung ihrer Klimaziele entschieden. Die Stahlindustrie unterliegt diesem System, hat allerdings aufgrund bereits vollzogener CO2-Minderung kaum noch weitere Potenziale zur Emissionssenkung.

CO2-Benchmarks für die Stahlerzeugung

Da die Stahlindustrie im internationalen Wettbewerb steht und von „Carbon Leakage“, d.h. der Verlagerung der Standorte ins Ausland bedroht ist, erhält sie eine kostenfreie Zuteilung der CO2-Zertifikate. Diese liegt jedoch für die Stahlindustrie bereits heute, in der dritten Handelsperiode von 2013 bis 2020, deutlich unter dem Bedarf. Denn die Zuteilung bemisst sich an CO2-Richtwerten, sog. Benchmarks. Für die Roheisen- und Stahlerzeugung liegen Sie etwa 10 Prozent unter den minimal erreichbaren Emissionen. Nicht einmal die effizientesten Anlagen können diese Werte erreichen.

Und dabei bleibt es nicht: Der Anteil der freien Zertifikate an der Gesamtmenge der Emissionsrechte ist  auf maximal 43 Prozent gedeckelt. Die übrigen 57 Prozent werden auf dem Markt versteigert. Reichen die Zertifikate für die Industrie nicht aus, wird bei den betroffenen Branchen durch den Mechanismus des sogenannten „Korrekturfaktors“ eine weitere pauschale Verringerung der freien Zuteilung vorgenommen.

Laut dem Kommissionsvorschlag vom 15. Juli soll die Zuteilung in der vierten Handelsperiode von 2021 bis 2030 weiter drastisch gesenkt werden. Die Gesamtmenge aller Zertifikate soll demnach jedes Jahr um 2,2 Prozent reduziert werden. Um dies zu erreichen, will die Kommission die bestehenden Benchmarks für die Industrie jedes Jahr um einen Prozent weiter abschmelzen. Auch der Korrekturfaktor soll weiter angewendet werden. All dies ist problematisch, weil in der Stahlindustrie keine pauschalen Emissionssenkungen über das naturwissenschaftlich-verfahrenstechnische Minimum hinaus möglich sind.

Knapp 50 Prozent der Zertifikate fehlen – drastische Kosten

Aus dieser Verschärfung ergäbe sich für die Stahlindustrie eine massive  Unterausstattung an CO2-Zertifikaten. Laut einer Studie von Ecofys würde sie im Jahre 2020 bei 31 Prozent liegen und bis 2030 auf 48 Prozent ansteigen. Die Stahlindustrie müsste entweder die Stahlproduktion verringern oder Zertifikate zukaufen. Allein für die Unternehmen in Deutschland ergäbe sich daraus eine Mehrbelastung von rund einer Milliarde Euro jährlich. Diese Kosten können angesichts des intensiven internationalen Wettbewerbs nicht an die Kunden weitergegeben werden, wie auch eine Studie der NERA Economic Consulting belegt. Sie entsprechen den jährlichen Investitionen der Branche.

Strompreiseffekte des Emissionshandels

Mit den politisch gewünschten höheren Zertifikatspreisen werden auch die Strompreise stark ansteigen, mit der Folge erheblicher Zusatzkosten und somit internationalen Wettbewerbsnachteilen für die stromintensiven Prozesse der Stahlindustrie.  Die Strompreiskompensation muss daher auch über 2020 hinaus weiter fortgesetzt werden und sollte sogar – anders als bisher – vollständig erfolgen.

Kein Freifahrtschein für CO2-Emissionen, aber effektiver Schutz vor Carbon Leakage

Die Stahlindustrie fordert, dass die Benchmarks für die Zuteilung an den Emissionen der 10 Prozent der effizientesten Anlagen bemessen werden und diesen somit durch den Emissionsrechtehandel keine Kosten entstehen. Diese Benchmarks dürfen nicht zusätzlich pauschal gekürzt werden. Damit bleiben sie technisch und wirtschaftlich erreichbar. Zugleich haben die anderen Anlagen einen wirksamen Anreiz, effizienter zu werden und zur Spitzengruppe aufzuschließen. Auch ein Korrekturfaktor darf nicht angewendet werden. Anders als heute müssen auch die Emissionen aus den für die Stromerzeugung eingesetzten Kuppelgasen der Stahlerzeugung vollumfänglich mit Zertifikaten ausgestattet werden.

Wird der Emissionshandel ohne Rücksicht auf industrielle Wettbewerbsfähigkeit verschärft, droht die Verlagerung der Produktion und der Emissionen ins Ausland. Dies wäre für die globalen Klimaziele von Paris 2015 nicht zielführend. So entstünden bei der Produktion von Rohstahl in einigen Regionen der Welt weitaus mehr CO2-Emissionen als bei der Stahlproduktion innerhalb von Europa.