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Fragen und Antworten zu den Auswirkungen des Bahnstreiks auf die Stahlindustrie

Letzte Aktualisierung: 25. Januar 2024

Immer wenn der Bahnverkehr in Deutschland stillsteht, hat das auch erhebliche Auswirkungen auf die Logistik der Stahlindustrie. In unserem Q&A lesen Sie, welche Bedeutung der Schienengüterverkehr für die Branche hat und was ein Streik für die Stahlunternehmen bedeutet.

Welche Auswirkungen hat ein Streik im Güterverkehr auf die Stahlindustrie in Deutschland?

Der Schienengüterverkehr ist mit einem Anteil von 50,5 Prozent der mit weitem Abstand wichtigste Verkehrsträger der Stahlindustrie in Deutschland. Er hat sowohl in der Rohstoff- wie der Versandlogistik eine herausragende Bedeutung für die Stahlindustrie. Daher trifft jeder Streik im Schienengüterverkehr die Logistik der Stahlunternehmen empfindlich. Dies gilt erst recht für den aktuellen, mit vollen sechs Tagen im Güterverkehr außergewöhnlich langen Bahnstreik der GDL. Die Unternehmen der Stahlindustrie sehen diesen Streik mit großer Sorge und bemühen sich, im Dialog mit ihren Transportdienstleistern Produktions- und Lieferstörungen zu vermeiden oder wenigstens zu begrenzen.

Was und welche Mengen transportiert die Stahlindustrie auf der Schiene?

Große Mengen an Rohstoffen, die für die Stahlproduktion benötigt werden, darunter Eisenerz, Kohle, Kalk und Stahlschrott, werden mit Güterbahnen zugeliefert. Und auch der Abtransport der meist tonnenschweren fertigen Stahlprodukte erfolgt zu erheblichen Teilen auf der Schiene. Das ergibt im Jahr eine Transportmenge von rund 62 Millionen Tonnen. Damit ist die Stahlindustrie die volumenstärkste Kundenbranche der Güterbahnen.

Kann die Stahlindustrie nicht einfach auf andere Transportmöglichkeiten ausweichen?

Ein Ausweichen auf andere Verkehrsträger ist nur begrenzt möglich, weil die beförderten Mengen auf der Schiene dafür zu groß sind. Je nach Umfang des Bahnstreiks kann zwar im begrenzten Maß auf andere Bahnen, die Straße oder die Binnenschifffahrt ausgewichen werden, aber auch nur, soweit dort freie Kapazitäten verfügbar sind.

Was passiert, wenn die Betriebe der Stahlindustrie über einen längeren Zeitraum nur unzureichend über die Schiene an- und abtransportieren können?

Die Stahlindustrie betreibt kritische Produktionsanlagen, die laufend mit Rohstoffen versorgt werden müssen. Je nach Rohstoff und Stahlunternehmen stehen dafür auch kleinere oder größere Lagerreserven zur Verfügung und dadurch gelingt es den Stahlunternehmen gewöhnlich im Dialog mit ihren Bahndienstleistern, die Produktion eine bestimmte Zeit aufrechtzuerhalten. Danach sind Einschränkungen jedoch unvermeidlich. Der Versand wird häufig schon sehr früh beeinträchtigt. Die konkreten Auswirkungen sind von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.

Typisch für Bahnstreiks ist zudem, dass die komplexe Logistik des Schienengüterverkehrs auch nach einem Streikende noch mehrere Tage benötigt, bis sie wieder im Normalzustand funktioniert.

Welche weitergehenden Auswirkungen hat eine gestörte Bahnlogistik auf die nachgelagerten Wertschöpfungsketten?

Die Stahlindustrie steht am Anfang zahlreicher industrieller Wertschöpfungsketten. Das ist von großer Bedeutung, denn wird die Belieferung der Kunden der Stahlindustrie gestört oder im schlimmsten Fall ganz unterbrochen, ziehen sich komplexe Folgewirkungen durch erhebliche Teile der Wirtschaft, insbesondere bei Just-in-time-Lieferungen, wie in der Automobilindustrie. Das trifft letztlich auch den Endverbraucher, der sein Endprodukt nur verzögert und/oder zu höheren Kosten erhält.